Wochenbericht 4: Vom Hochland der Giara ins raue Supramonte & an den Golf von Orosei (09.10. – 15.10.)

1. Einleitung: Aufbruch ins raue Hinterland Sardiniens

Nach den sonnigen Tagen an den Küsten des Südens lassen wir das Meer für ein paar Tage hinter uns und tauchen ein in das spektakuläre, raue Herz Sardiniens! Unsere vierte Reisewoche führt uns auf schmalen Serpentinen und beeindruckenden Passstraßen durch das Inselinnere. Von der kargen Giara-Hochebene mit ihren berühmten Wildpferden geht es tief hinein in das Supramonte-Gebirge nach Orgosolo – dem einstigen Banditendorf, das heute für seine ausdrucksstarken Wandgemälde (Murales) bekannt ist. Ein echter Temperatur- und Landschaftswechsel, bevor uns die Route wieder an die Ostküste nach Cala Gonone und Orosei zieht.

2. Unsere BaseCamps: Barumini, Supramonte & Orosei

  • BaseCamp 1 (Barumini / Giara): Agriturismo Su Nuraxi

    • Koordinaten: N 39˚ 42´28″ E 8˚ 59´14″
    • Lage & Info: Ideal gelegen in unmittelbarer Nähe zur Nuraghen-Festung Su Nuraxi und perfekt als Ausgangspunkt für Ausflüge auf das Hochplateau der Giara di Gesturi. Der Stellplatz erfordert allerdings Autarkie.

    • Unsere Erfahrung: Ein toller Ausgangspunkt für Touren! Das Abendessen im Agriturismo war zwar herzlich serviert, geschmacklich aber eher verhalten und preislich am oberen Ende. Für eine Nacht zum Erkunden der Hochebene dennoch eine sehr praktische Wahl.

  • BaseCamp 2 (Supramonte / Orgosolo): Camping Ristorante Supramonte

    • Koordinaten: N 40˚ 11´33″ E 9˚ 20´57″
    • Lage & Info: Sehr idyllisch und tief im Wald des Supramonte-Gebirges versteckt gelegen.

    • Unsere Erfahrung: Ein echter Kälteschock! Mitten im Gebirge spürt man den Herbst deutlich. Aufgrund der sehr einfachen Ausstattung des Platzes und der kühlen Temperaturen haben wir unser Besichtigungsprogramm in Orgosolo direkt am Anreisetag absolviert.

  • BaseCamp 3 (Cala Gonone): Camping Car Palmasera

    • Koordinaten: N 40˚ 16´46″ E 9˚ 37´48″
    • Lage & Info: Ein echter Highlight-Stellplatz für Sardinien-Reisende. Der Camping Car Palamsera punktet mit seiner naturnahen Lage, ungezwungenen Atmosphäre und der Nähe zu schönen Stränden. Der ideale Ort, um nach einer langen Etappe – oder so wie wir aus den Bergen kommend – durchzuatmen, den Sonnenuntergang vor dem Wohnmobil zu genießen und neue Kraft für das nächste Abenteuer zu tanken.
    • Unsere Erfahrung: Die Anfahrt war schon ein besonderes Erlebnis. Wir starteten ausgehend vom BaseCamp 2, über die SP 48 und mussten gleich in Orgsolo feststellen, dass die Route in einer Einbahnstraße endet. Also suchten wir mit eingeklappten Seitenspiegeln durch die engen steilen Gassen unseren Weg. Zum Glück ist „Peppo“ nur 2,30 m breit und 7 m lang. Dann folgten wir der SP 58. Eine reine Motorradstrecke – zumindest waren wir das einzige Wohnmobil auf dieser kurvenreichen Straße. Landschaftlich ein Erlebnis und fahrtechnisch eine Herausforderung. Über die Serpentinen der SP 128 erreichten wir – ohne Kratzer – wieder die Ostküste.
  • BaseCamp 3 (Golf von Orosei): Camping Sa Prama (Cala Liberotto / Orosei)

    • Koordinaten: N 40˚ 26´23″ E 9˚ 46´56″
    • Lage & Info: Der Camping Sa Prama bei Orosei überzeugt durch seine naturnahe, geschützte Lage und die direkte Nähe zu spektakulären Küstenabschnitten wie Cala Liberotto. Ideal für alle, die eine entspannte, bodenständige Atmosphäre suchen und die perfekte Basis für Küstenerkundungen brauchen. – Soweit beschreibt das Prospekt diesen Ort! 

    • Unsere Erfahrung: Wer im Oktober nach Sardinien reist, hofft auf leere Strände und ruhesuchende Vanlife-Romantik. Auf dem Camping Sa Prama wurden wir direkt geerdet: Sauber? Ja. Sonnig? Kaum – fast alle Plätze liegen im tiefen Schatten. Ruhig? Fehlanzeige! Gefühlt ganz Switzerland hat mit Nachwuchs den Platz belagert, was den Lärmpegel ordentlich nach oben schraubt. Wären da nicht die Anzahlung und der wirklich herrliche, weitläufige Strand gewesen, hätten wir direkt wieder den Rückwärtsgang eingelegt.
  • BaseCamp 4: Camping Cala Ginepro – Vom Fehlgriff zum Glückstreffer: Warum sich Vergleichen lohnt

    Manchmal führt erst ein kleiner Umweg zum perfekten Stellplatz. Nach der ernüchternden Nacht am Camping Sa Prama brachte eine E-Bike-Erkundungstour die Wende.

    • Koordinaten: N40˚ 26´48″ E 9˚ 47´32″
    • Der Zufallsfund: Beim Camping Cala Ginepro wurden wir spontan und super herzlich empfangen. Wir durften uns ohne Druck das gesamte Areal ansehen.

    • Das Raumgefühl: Der Platz ist zwar ebenfalls gut ausgelastet, wirkt aber durch die weitläufige Gestaltung überhaupt nicht beengt – kein Vergleich mit dem Dicht-an-Dicht-Stehen zuvor. Und man kann vom Stellplatz aus, auch den blauen Himmel sehen.

    • Strand & Service: Traumhaft kristallklares Wasser, fantastischer Strand und eine Infrastruktur, die keine Wünsche offen lässt.

    • Unser Erfahrung: Nach dem Umzug für die nächsten drei Nächte haben wir uns die Online-Bewertungen des Platzes durchgelesen und waren erstaunt über manch schlechte Kritik. Für uns steht fest: Lasst euch von Mecker-Rezensionen im Netz nicht zu sehr verunsichern. Ein eigener Blick vor Ort schlägt jede Online-Sternebewertung!

3. Nennenswerte Sehenswürdigkeiten der Region

  • Die Hochebene Giara di Gesturi & die Wildpferde:

    • Ein einzigartiges, basaltisches Hochplateau mit Eichenwäldern und den Paulis (flachen Seen). Hier leben die letzten Wildpferde Europas (Cavallini della Giara) in freier Wildbahn.

  • Die berühmten Murales von Orgosolo:

    • Die Wandmalereien an den Häuserfassaden von Orgosolo machen das Bergdorf zu einem begehbaren Freilichtmuseum. Die Kunstwerke erzählen von politischen Protesten, sozialer Ungerechtigkeit, lokaler Geschichte und Weltpolitik.

  • Die spektakuläre Bergstraße SS 128:

    • Eine extrem kurvenreiche und landschaftlich atemberaubende Passstraße durch das Landesinnere. Eigentlich ein El Dorado für Motorradfahrer – mit dem Wohnmobil eine fahrtechnische Herausforderung, die belohnt wird!

  • Orosei: Idyllische Altstadt & Paradiesstrände

    • Das malerische Städtchen liegt eingebettet zwischen dem Supramonte-Gebirge und dem türkisfarbenen Mittelmeer. Neben seinen historischen Gassen dient Orosei als idealer Ausgangspunkt, um die spektakulärsten Buchten des berühmten Golfs von Orosei zu erkunden. Ein Spaziergang durch die verwinkelten Steingassen offenbart historische Gebäude, traditionelle Handwerkskunst und über 10 Kirchen.

4. Erkundungen abseits der BaseCamps

  • E-Bike-Erlebnistour zu den Wildpferden auf der Giara di Gesturi:

    • Beschreibung: Direkt nach der Ankunft am Agriturismo Su Nuraxi ging es mit den E-Bikes los. Vorbei an der Nuraghen-Festung Su Nuraxi durch die engen Gassen von Gesturi und steil hinauf auf das Hochplateau. Nach freundlicher Einweisung ging es offroad quer über die Hochebene.

    • Persönlicher Eindruck: Wir hatten riesiges Glück! Schon nach kurzer Zeit hatten wir die erste Begegnung mit den freien Wildpferden, die friedlich zusammen mit Kühen und Ziegen auf den Weiden grasten. Eine herrlich unberührte Naturkulisse. Die rasante Abfahrt führte uns über Tuili wieder zurück nach Barumini.

  • Kurvenreich nach Orgosolo & E-Bike-Spezial im Supramonte:

    • Beschreibung: Von Barumini führte uns die Route über die SS 197, SS 128, SP 295 und SP 7 tief ins Supramonte-Gebirge.

    • Persönlicher Eindruck: Die Fahrt über die SS 128 war ein absolutes Abenteuer. Wir waren weit und breit das einzige Wohnmobil auf dieser typischen Motorradstrecke – fahrtechnisch anspruchsvoll, aber landschaftlich grandios. Gleich am Nachmittag radelten wir mit den E-Bikes vom kühlen Wald-Campingplatz – und noch kühleren Fahrtwind – hinunter nach Orgosolo. Die unzähligen bunten Wandbilder und tiefgründigen Sprüche an den Häuserfassaden sind absolut beeindruckend und definitiv einen Besuch wert. Unser Tipp: Um Orgosolo zu besuchen, muss man nicht unbedingt über Nacht bleiben, denn es gibt etwas außerhalb des Ortes eine Parkmöglichkeit (nicht Übernachtung) für Wohnmobile bis zu 7 m Länge.

  • Rückkehr an die Ostküste: Cala Gonone & Orosei:

    • Beschreibung: Nach der kühlen Nacht im Gebirge zog es uns wieder ans Meer. Nach einem Zwischenstopp in Cala Gonone steuerten wir Camping Sa Prama in der Region Orosei an, der sich allerdings wie oben beschrieben als nicht empfehlenswert erwiesen hat. Daher wechselten wir bereits nach einer Nacht auf den wesentlich schöneren Campingplatz Cala Ginepro.

    • Persönlicher Eindruck: Der temperaturbedingte Zwischenstopp in Cala Gonone hat sich gelohnt. Neben den zu den Bergen vergleichsweise höheren Temperaturen, war auch der Stellplatz und Cala Gonone selbst, durchaus einladend. Nachdem wir uns schlussendlich am Camping Cala Ginepro eingerichtet haben, konnten wir nicht nur den schönen Sandstrand und das kristallklare Meer genießen, sondern wir machten auch mit den E-Bikes eine eindrucksvolle Tour nach Orosei. Über die App „Komoot“ fanden wir eine landschaftlich schöne Strecke, die uns abseits der Hauptstraßen in die Altstadt von Orsosei führte.

Unser Highlight der Woche

Mit dem E-Bike zu den Wildpferden auf der Giara di Gesturi

In einer Woche voller spektakulärer Eindrücke – von den schmalen Passstraßen des Supramonte über die nachdenklich stimmenden Murales in Orgosolo bis hin zu den Traumstränden am Golf von Orosei – fiel uns die Wahl des Wochen-Highlights gar nicht leicht. Am Ende hat jedoch ein Naturerlebnis der ganz besonderen Art unser Herz erobert: die E-Bike-Erkundungstour auf dem Hochplateau Giara di Gesturi!

Schon der Anstieg von Barumini über Gesturi hinauf auf die basaltische Hochebene war ein sportliches Erlebnis. Oben angekommen, empfing uns eine fast mystische Stille. Das Offroad-Radeln quer über das Plateau, umgeben von Korkeichen und kleinen Seen (Paulis), fühlte sich an wie eine Zeitreise. Das absolute Kronjuwel war die nahezu hautnahe Begegnung mit den Cavallini della Giara: Die letzten freien Wildpferde Europas friedlich mit Rindern und Ziegen in völlig unberührter Natur grasen zu sehen, war ein hochemotionaler Moment und unser unangefochtener Lieblingsaugenblick der vierten Etappe.

Eindrücke

Unser Fazit der Woche

Vom rauen Bergland zu den Traumstränden am Golf von Orosei

Woche 4 hat bewiesen, dass Mut zu engen Serpentinen und der eigene Blick vor Ort die besten Reisemomente bescheren!“

Unsere vierte Reisewoche war geprägt von gewaltigen Landschaftswechseln und echten Fahreinlagen. Die Fahrt über die kurvenreiche SS 128 und das Navigieren durch die engen Einbahnstraßen in Orgosolo verlangten Mensch und Wohnmobil zwar einiges ab, belohnten uns aber mit authentischer Kultur und den beeindruckenden Wandgemälden (Murales).

Nach dem herbstlichen Kälteschock im Supramonte-Gebirge war die Rückkehr an die Ostküste eine Wohltat. Der Zwischenstopp am Camping Car Palmasera in Cala Gonone erwies sich als echter Glücksgriff für die Seele (und neue nette Bekanntschaften!), während uns die Erfahrung am Camping Sa Prama eine wichtige Lektion lehrte: „Lasst euch nicht von schillernden Prospekten täuschen – und schon gar nicht von negativen Online-Bewertungen abschrecken“! Der spontane Wechsel auf den weitläufigen Camping Cala Ginepro bescherte uns drei traumhafte, entspannte Tage an kristallklarem Wasser und fantastische E-Bike-Touren abseits der Hauptstraßen nach Orosei.

Wir genießen die letzten Küstenmomente am Golf von Orosei in vollen Zügen und blicken voller Vorfreude auf unsere 5. und finale Reisewoche rund um San Teodoro, bevor „Peppo“ wieder die Fähre (Moby Lines) Richtung Heimat nimmt.

Wie geht es weiter?

In unserer letzten Reisewoche verlegen wir zuerst nach San Teodoro (letzte Station vor Olbia). Nach ein paar abschließenden Strandtagen schließen wir die Sardinienrunde mit einer Sightseeingtour in Olbia ab, bevor es am Abend wieder auf die Fähre geht. Sobald wir in Livorno anlegen, werden wir entscheiden wie wir wnach Hause fahren.

Mehr dazu im Bericht der 5. Reisewoche

Leistungsübersicht

Insgesamt gefahrene Kilometer: 1.640 km

Cagliari – Barumini: 69 km

Barumini – Orgosolo: 116 km

Orgosolo – Cala Ganone: 53 km

Cala Ganone – Orosei: 60 km

Campingplätze

Camper Park Cagliari: € 36,00 für eine Nacht inkl. Strom

Agriturismo SuNuraxi: Ohne Gebühr, aber man natürlich dort Abendessen

Camping Ristorante Supramonte: € 25,00 für eine Nacht inkl. Strom

Camping Car Palmasera: € 34,00 für eine Nacht inkl. Strom

Camping Sa Prama: € 44,00 für eine Nacht und viel Enttäuschung

Camping Cala Ginepro: € 108,00 für drei Nächte inkl. Strom

Kommentare

8 Kommentare

  1. Karl Pernitsch 15. Oktober 2026 at 19:09 - Reply

    Fantastische Reiseberichte und hervorragende Bilder. Dieses Land ist wirklich wunderschön und Eure Erlebnisse aber auch Euer Mut und die körperlichen Leistungen sind beeindruckend. Weiterhin viel Spaß und schöne Eindrücke.

    • peppoontour 16. Oktober 2026 at 16:26 - Reply

      Lieber Karl, vielen herzlichen Dank für Dein Feedback und vor allem, dass Du die Reise mitverfolgst. LG Manuela&Othmar

  2. Arthur 15. Oktober 2026 at 19:11 - Reply

    Schaut sehr nett aus sehr schöne Fotos weiter hin schönen Urlaub LG

    • peppoontour 16. Oktober 2026 at 16:25 - Reply

      Danke Arthur! Wir befinden uns ja schon in der letzten Reisewoche und freuen uns auf ein Wiedersehen. LG Manuela&Othmar

  3. Brigitta Huber 16. Oktober 2026 at 02:10 - Reply

    Professioneller Reisebericht die Bilder von den Wildpferden einmalig + sicher unvergesslich. Für eine solche anspruchsvolle Reise braucht es aber eine gute Kontition + gutes Wissen ich würde das nicht jedem empfehlen nichts mit „dolce far niente“ 🤪🤪🤪.
    Wir wünschen Euch noch schöne + spannende Tage nach eurem Gusto in Sardinien bin gespannt auf den nächsten Bericht toi toi toi Brigitta + Toni 🇨🇭👍🇨🇭

    • peppoontour 16. Oktober 2026 at 16:24 - Reply

      Liebe Brigitta und lieber Toni! Vielen Dank für euer Feedback und vor allem, dass ihr unsere Reise mitverfolgt. Ja es stimmt, es gibt eine gewisse Planung, aber wir lassen uns auch treiben. Leider neigt sich die Reise schon dem Ende zu, aber die Eindrücke die gewonnen haben, bleiben immer erhalten. Ihr seid ja auch wieder unterwegs. Auch euch noch eine schöne Reise und alles Gute. LG Manuela&Othmar

  4. Herbert 18. Oktober 2026 at 06:44 - Reply

    Servus ihr zwei. Danke Manu für deine tollen Bilder im Status und Othmar für deinen professionellen Bericht. Macht echt Spaß euch aus der Ferne zu folgen. Wir sind am Überlegen, eure Tour nächstes Jahr nachzuahmen. Noch einen schönen Aufenthalt und kommt gesund zurück. Liebe Grüße Silvia und Herbert.

    • peppoontour 19. Oktober 2026 at 18:07 - Reply

      Liebe Silvia und lieber Herbert! Vielen herzlichen Dank für euer Feedback und vor allem, dass ihr unsere Reise mitverfolgt, die sich nun langsam dem Ende zuneigt. Es freut uns, dass ihr an dieser Tour Gefallen gefunden habt. LG und auf ein baldiges Wiedersehen. Manuela&Othmar

Hinterlasse einen Kommentar