Wochenbericht 1: Anreise & die wilde Nordküste der Gallura (17.09. – 25.09.)

1. Einleitung: Die Region Gallura & Anglona

Die Gallura und die angrenzende Region Anglona im Nordosten und Norden Sardiniens bestechen durch eine faszinierende Mischung aus spektakulärer Granitlandschaft, immergrüner Macchia, duftendem Wacholder und türkisblauem Meer. Geprägt von bizarr geformten Felsformationen, Pinienwäldern und historischen Weinbergen bildet diese Küstenlinie das perfekte Entree für unser Sardinien-Abenteuer. Vom geschäftigen Hafen in Olbia bis hin zu den steilen Felsen von Castelsardo erschließt sich eine der abwechslungsreichsten Landschaften des Mittelmeers.

2. Unsere BaseCamps: Palau & Valledoria

  • Base Camp 1 Camping Baia Saraceno

    • Koordinaten: (N 41˚ 10’ 45” / E 9˚ 23’ 35”)
    • Beschreibung: Wunderschön an der Bucht von Palau gelegen, fußläufig zum Zentrum und Hafen. Der Platz verfügt über ausreichend schattige aber auch vereinzelt über sonnige Stellplätze. Aber Achtung: Man kann weder am Camping Acapulco – war unsere erste Wahl – noch am Camping Baia Saraceno reservieren. Also empfiehlt es sich nach der Ankunft in Olbia auf dem direktem Weg diese Campingplätze anzusteuern, denn auch in der Nachsaison ist der Andrang groß. Wer so wir einen Camper mit 7 Meter Länge hat, braucht Camping Acapulco gar nicht erst anfahren, denn die haben vorwiegend nur Platz für kleinere Fahrzeuge. Für unsere geplanten und durchgeführten Unternehmungen war Camping Baia Saraceno als Base Camp perfekt.
  • BaseCamp 2 (Raum Valledoria): International Camping Valledoria

    • Koordinaten: N 40˚ 55’ 23” / E 8˚ 47’ 44”
    • Beschreibung: Einzigartig eingebettet in einen Pinienwald direkt am langen Sandstrand und der Mündung des Flusses Coghinas. Der ideale Ausgangspunkt, um die Küste der Anglona mit den E-Bikes zu erkunden. Achtung: Auf diesem einzigartigen am Meer gelegenen Campingplatz sind Reservierungen erst ab einem Aufenthalt von mindestens 7 Tagen möglich. Also für Durchreisende, so wie uns, hieß es früh anreisen. Wir fuhren um 0700 Uhr in Palau los und waren um 0830 Uhr (78 wunderschöne – aber durchaus holprige – Kilometer) vor Ort. Wir wurden herzlich empfangen und bekamen einen tollen Stellplatz mit Meerblick zugewiesen. Eigener Zugang – 1 Minute vom Stellplatz entfernt – zum kilometerlangen Strand. Und das Tolle, es ist egal wann man abreist, denn man zahlt am Tag der Abreise. Also stand einer Verlängerung nichts im Wege.
    • Unsere Erfahrung vor Ort: 

      • Die Auswahl der Campingplätze hat sich bewährt, obwohl die Auslastung auf allen Campingplätzen der Region sehr hoch war. Und wir sprechen hier von der Nachsaison. Nicht selten haben wir erlebt, dass Spätanreisende (Nachmittag) abgewiesen wurden. Die Situation auf den Stellplätzen ist ähnlich, vor allem dann, wenn es um die begehrten Plätze an der Küste geht. Stichwort Küste: Es gibt sie natürlich auch in Sardinien, die die trotz Verbots wild in der Gegend herumstehen. Nicht ganz ohne Konsequenzen. Entweder wird von der Polizei kontrolliert (freundlich aber bestimmt) oder man nimmt eben in Kauf, dass auch eingebrochen werden kann. Landsleute von uns, standen auf einem Parkplatz, um am nahe gelegenen ausgewiesenen Strand zu baden. Prompt wurde eingebrochen. Interessanter Ansatz dabei: Es wurden weder Papiere noch Wertgegenstände gestohlen, sondern lediglich der Reserveschlüssel vom Wohnmobil. Da hat man wohl keine ruhige Minute mehr, wenn man weiß, dass die Diebe im Besitz deiner Schlüssel sind.

3. Nennenswerte Sehenswürdigkeiten der Region

  • Roccia dell´Orso (Der Bärenfelsen von Palau)

    • Der Bärenfelsen, wonach das Vorgebirge benannt ist, besteht aus einem riesigen Felsblock, der aus einer 120 m Granithöhe hervorragt und die ganze Landschaft beherrscht. Der Felsen, der aus dem Spät-Paläozoikum stammt (ca. 300 Milionen Jahre). wurde vom Wind und der Seeluft modelliert. Im Laufe der Jahrtausenden hat er die Form cines Bären angenommen, der das Meer zwischen der Küste von Palau und der Insel La Maddalena bewacht.

      1993 wurde der Bärenfelsen von der Region Sardinien wegen seiner Besonderheit und der geologischen und morphologischen Kennzeichen als naturalistisches Denkmal der Insel offiziell anerkannt. Das Bild des Bären ist Symbol von Palau geworden und erscheint in dem Wappen der Stadt.

      Von dem Gipfel des Hügels, am Fuße des Bären, kann man eine einzigartige und bezaubernde Aussicht bewundern, die ein weites Stück der nördlichen Küste und des Archipels von La Maddalena bis nach den Bergen Korsikas umarmt.

    • Vom Felsen wenig entfernt, in einer Fläche, die von der üppigen Mittelmeervegetation charakterisiert ist, befindet sich die riesige und eindrucksvolle Festung von Capo d’Orso. Eine mächtige und militärische Batterie aus dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Sie wurde von der Pioniertruppe der Marine ganz aus riesigen Granitblocken aufgebaut und gehörte zu dem komplizierten System der Befestigungen, zum Schutz des militärischen Stützpunktes von La Maddalena.

  • Festung Di Monte Altura

    • Gut erhaltene Militärfestung aus dem 19. Jahrhundert. Von 1887 bis 1889 aus lokalem Granit erbaut, diente sie dem Schutz des Marine-Stützpunkts im La-Maddalena-Archipel und der Kontrolle der Straße von Bonifacio gegen französische Angriffe.
  • Roccia dell´Elefante (Der Elefantenfelsen bei Castelsardo)

    • Ein etwa 4 Meter hoher, verwitterter Trachytfelsen direkt an der Straße, der verblüffend exakt die Form eines Elefanten hat. Im Inneren befinden sich zudem prähistorische Felsgräber (Domus de Janas).
    • Der bizarre Fels war schon zu Zeiten der Nuragher (etwa 1800–750 v. Chr.) eine Kultstätte. Die vorzeitlichen Sarden trieben kleine Nischen in den Fels, in denen sie in Aschenurnen ihre Toten beisetzten.
  • Die Altstadt von Castelsardo

    • Das malerische Küstenstädtchen, das wie ein Adlerhorst auf einem steilen Trachytfelsen über dem Meer thront, gekrönt von der mittelalterlichen Festung Castello dei Doria wurde im 13.Jahrhundert von der aus Genua stammenden Familie Doria gegründet. Die Burg wurde Castel Genovese genannt.

4. Erkundungen abseits der BaseCamps

  • E-Bike-Tagestour: Umrundung der Insel La Maddalena (ab BaseCamp Palau)

    • Beschreibung: Mit den E-Bikes geht es per Fähre für € 31,00 (2 Erwachsene und 2 Bikes) von Palau hinüber nach La Maddalena. Über die Panoramastraße umrunden wir die Hauptinsel mit Stopps an spektakulären Aussichtspunkten und verträumten Buchten. Nach der Ankunft in La Maddalena fuhren wir noch über die „Ponte di Caprera“ und statteten der benachbarten Insel Caprera einen Besuch ab. Die zusätzlichen geradelten Kilometer wurden mit kristallklarem Wasser und abgelegenen Buchten belohnt. Vor zwölf Jahren waren wir mit unserer Harley auf Sardinien. Und ehrlich, es war zwar einzigartig, aber vermissen tun wir es nicht. Die Sightseeingtour mit den E-Bikes hat auch seinen besonderen Reiz.  
  • E-Bike-Ausflug nach Castelsardo & zum Elefantenfelsen (ab BaseCamp International Valledoria)

    • Beschreibung: Direkt vom Campingplatz Valledoria aus geht es mit den E-Bikes entlang der Küste zum Felsenstädtchen Castelsardo. Erkundung der steilen Gassen und des Kunsthandwerks sowie einem Abstecher zum berühmten Elefantenfelsen.
    • Die Festung war während der vielen Kämpfe um den Besitz der Insel bis zum 15. Jahrhundert der Sitz der Doria in Sardinien- bis di Spanier vordringen konnten und sie in Castel Aragonese umtauften.

      1767 erhielt sie, unter der Herrschaft der Königsfamilie Savoyen, ihren heutigen Namen Castelsardo.

      Die Burg ist vollständig von einem befestigten Mauerring umgeben. Sie diente den Militärgarnisonen für Jahrhunderte als Unterkunft und war bis vor einigen Jahrzehnten Sitz der Kaserne der Carabinieri.

      Heute befindet sich in den Räumlichkeiten der Burg das Museum der mediterranen Flechtkunst.

      Zur Burg gelangt man über die charakteristischen Carrugi, an denen man die einheimischen Frauen vor ihren Häusern sitzen sieht, die die typischen Körbe von Castelsardo flechten.

    • Persönlicher Eindruck: Eigentlich wurden wir an der Rezeption gewarnt, mit den E-Bikes entlang der Hauptstraße nach Castesardo zu fahren. Über die App „Komoot“ führte uns der Weg teilweise abseits der Hauptstraße völlig entspannt nach Castelsardo und retour. Das liegt vermutlich auch daran, dass die Italiener gegenüber Radfahrern sehr rücksichtsvoll sind. 
  • Sightseeing in Valledoria

    • Valledoria liegt an der Nordküste Sardiniens östlich von Castelsardo am Golf von Asinara, in der Nähe der Mündung des Coghinas, der dort die große Lagune La Perla Blu bildet. Zur Gemeinde gehören neben dem Hauptort auch die Gemeinden La Ciaccia und La Muddizza.
    • 1960 wurde Valledoria Codaruina selbständige Gemeinde. 1983 wurde die bisherige Teilgemeinde Santa Maria Coghinas ebenfalls selbständig.

Unser Highlight der Woche

Unser Höhepunkt in dieser Woche war die Region Palau. Wobei wir auch La Maddalena hinzuzählen. Besonders beeindruckt hat uns aber Capo d´Orso mit den von Wind und Wetter gestalteten Felsformationen oder den vielen Aussichtspunkten, wo man einen Blick hinab auf die wahrlich atemberaubend schöne Kulisse aus zerklüfteter Küste, bizarren Felsklippen, tiefblauen Meer und einladenden Sandstränden bekommt.

Eindrücke

Unser Fazit der Woche

Sardinien fordert ein wenig Spontanität und Frühaufsteher-Qualitäten – belohnt einen aber mit Landschaften, die ihresgleichen suchen!

Nach unserer ersten Woche mit „Peppo“ ziehen wir ein überaus positives Resümee. Die Nordküste mit der Gallura und Anglona hat uns vom ersten Moment an verzaubert. Die Kombination aus bizarren Felsformationen wie dem Bären- oder Elefantenfelsen, der reichen Geschichte und den türkisblauen Buchten ist einfach gewaltig.

Eine wesentliche Erkenntnis dieser Woche betrifft  Thema Camping in der Nachsaison: Wer glaubt, im September entspannt am Nachmittag auf den Wunschplatz rollen zu können, wird schnell eines Besseren belehrt. Die hohe Auslastung und die Tendenz vieler Plätze keine Reservierungen anzunehmen, erfordern gutes Timing und frühes Anreisen. Unser Taktik-Wechsel mit der Anreise um 08:30 Uhr in Valledoria hat sich voll ausgezahlt – der Meerblick und der direkte Strandzugang waren die Belohnung für das frühe Aufstehen!

Gleichzeitig hat sich unser Konzept mit den E-Bikes auf den Inseln La Maddalena und Caprera sowie rund um Castelsardo absolut bewährt. Dank guter Routenplanung (z. B. via Komoot) und der sehr rücksichtsvollen Fahrweise der Sarden lässt sich die wilde Küste auf zwei Rädern absolut entspannt genießen.

Ein rundum gelungener Auftakt unserer 5-wöchigen Tour. Wir sind gespannt, was uns in Woche 2 an der Nordwestküste erwartet.

Wie geht es weiter?

Nachdem wir uns kurzfristig entschlossen haben den Aufenthalt in Valledoria zu verlängern, führt uns die nächste Etappe direkt an die Korallenküste von Alghero.

Leistungsübersicht

Insgesamt gefahrene Kilometer

Graz – Livorno: 857 km

Olbia – Palau: 43 km

Palau – Valledoria: 81 km

Treibstoff:

  • In Österreich bei Abfahrt € 2,189 für 1 Liter Diesel
  • In Italien Festland € 2,230 für 1 Liter Diesel

Camping Baia Saraceno: € 138,00 inkl. Strom und Tax für 3 Nächte

International Camping Valledoria: € 215,00 all inclusive

Ticketpreise:

  • Rocca dell´Orso € 6,00 für 2 Personen
  • Castelsardo für 2 Personen € 10,00

Fähre Livorno – Olbia: Hin und Retour € 500,60 inkl. Kabine

Fähre Palau – La Maddalena: Hin- und Retour € 30,40 für 2 Erwachsene und 2 E-Bikes

Der nächste Wochenbericht folgt am 01. Oktober 2026

Kommentare

12 Kommentare

  1. Albert 25. September 2026 at 16:17 - Reply

    Sehr schöne Impressionen, weiterhin noch schöne Urlaubstage. LG Albert und Anna

    • Doris Wasylyk 25. September 2026 at 18:58 - Reply

      Großartiger Bericht. Weiterhin schönen Urlaub. LG Doris und Werner

      • peppoontour 25. September 2026 at 19:03 - Reply

        Liebe Doris und lieber Werner, vielen herzlichen Dank für euer Interesse und euer Feedback. LG Manuela&Othmar

    • peppoontour 25. September 2026 at 19:04 - Reply

      Hallo Albert&Anna! Vielen lieben Dank für das Feedback. LG Manuela&Othmar

  2. Arthur 25. September 2026 at 17:16 - Reply

    wie immer tolle Info super Bilder und weiterhin gute Reise LG

    • peppoontour 25. September 2026 at 19:04 - Reply

      Hallo Arthur, vielen Dank für Dein Feedback. LG Manuela&Othmar

  3. Regina 25. September 2026 at 18:58 - Reply

    Wunderbarer Bericht! Danke!

    • peppoontour 25. September 2026 at 19:02 - Reply

      Liebe Regina, vielen herzlichen Dank für Dein Interesse und Dein Feedback. LG Manuela&Othmar

  4. Brigitta Huber 26. September 2026 at 06:35 - Reply

    Danke für diesen interessanten + ausführlichen Bericht von der 1. Woche. Auch wir waren schon 3x auf Sardinien + begeistert hat sich aber in all den Jahren sehr verändert und ist zu einem richtigem Hotspot geworden.
    Sind gespannt wie es weiter geht. Wir wünschen Euch noch weitere „Magic Moments “ auf eurer Sardinenreise + gute Fahrt toi toi toi 🍀🍀🍀 Brigitta + Toni aus der wunderschönen 🇨🇭

    • peppoontour 26. September 2026 at 18:26 - Reply

      Hallo Brigitta und Toni! Vielen herzlichen Dank für euer Feedback. Ja, es hat sich vermutlich viel verändert und für die Nachsaison ist noch sehr viel los. In einer Woche gibt es den nächsten Bericht. LG und alles Gute euch Beiden. Manuelas&Othmar

  5. Chris & Lisa Gerber, Arbon, Schweiz 12. Oktober 2026 at 19:04 - Reply

    Toll Euer Reisebericht. Brigitta und Toni aus Schaffhausen haben uns auf Euch aufmerksam gemacht. Wir sind heute 12.10.2026 von Bonifacio mit unserem Bulli T6.1 und Hund Nico auf der Fähre nach Santa Teresa Gallura gekommen. Wir nehmen Euren roten Faden gerne auf und kombinieren das mit unserem Grobplan, den wir jeweils auch spontan abändern. Aktuell sind wir auf dem Camping Baia Blu La Tortuga. Wir merken, die Saison neigt sich dem Ende entgegen. Einige Plätze sind bereits geschlossen. Gerade habe ich Eure Woche 1 gelesen.

    • peppoontour 12. Oktober 2026 at 19:17 - Reply

      Hallo Lisa&Chris! Es freut uns, dass ihr unseren Faden aufnehmen wollt und vor allem auch, dass Brigitta&Toni uns weiterempfohlen haben. Offensichtlich seid ihr gegen den Uhrzeigersinn unterwegs. Solltet ihr nach Alghero kommen, gibt es zwei Möglichkeiten – Camping Laguna Blue (da waren wir), wir haben aber auch gehört, dass der Camping La Mariposa (Stadtnähe) sehr gut sein soll. Auf alle Fälle ist Alghero ein must to see. Wir hoffen, dass ihr bei unseren Berichten noch die eine oder andere Anregung findet. Wir wünschen euch eine schöne Reise und liebe Grüße Manuela&Othmar

Hinterlasse einen Kommentar